Perspektivendiskussion 2019-2020

Aktuelle Neuigkeiten und Diskussionen zum Köln Bonn Airport

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RhBDirk
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Re: Perspektivendiskussion 2019-2020

Beitrag von RhBDirk » Montag, 28. September 2020, 08:58:29

TerminalTower hat geschrieben:
Montag, 28. September 2020, 01:49:22
Wenn der CGN den Bereich Non-Aviation- / Shop- und Gastronomie-Bereich modernisieren und lukrativer machen möchte könnt der CGN auch die Hilfe folgender Person in Anspruch nehmen.

Vielleicht kann er helfen, wo der CGN sich noch die Zähne ausbeißt.

Kiran Mazumdar, promovierter Ökonom, ist Gründer und Partner der Inverto AG. Die internationale Unternehmensberatung mit Hauptsitz in Köln hat sich auf die Themen Einkauf und Supply-Management spezialisiert. Mazumdar verantwortet Projekte für Kunden aus der Handelsbranche, bei denen er sich mit der Sortimentsplanung und der Preisgestaltung befasst. Das Innovationsmanagement betrachtet der Berater als elementaren Bestandteil der Wettbewerbsdifferenzierung und Kundenbindung.

https://handelsjournal.de/handel/trends ... fatal.html
Süß, da gibt's noch 1000sende andere von.

Ob der Flughafen aber solche "Berater" extra zukaufen muss bezweifle ich, ist letztlich verpulvertes Geld, welches ohnehin aktuell knapp ist.

Solche Leute hat jedes Unternehmen, welches im entsprechenden Marktumfeld aktiv ist, im eigenen Team.

Wichtig ist in erster Linie, dass die Reisebeschränkungen gelockert werden.

Ohne Passagiere braucht man auch die "Shoppingmeile" nicht aufzupeppen oder Gedanken daran zu verschwenden.

Outlet Center gibt's mittlerweile wie Sand am Meer. Und dort wird extra für Outlets produzierte Ware verkauft.

Das gleiche Zeugs, auch ohne Markenname drauf, bekommt man an jeder Ecke in jedem Klamottenladen.

TerminalTower
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Re: Perspektivendiskussion 2019-2020

Beitrag von TerminalTower » Freitag, 09. Oktober 2020, 10:35:03

Hallo RhBDirk,

erst einmal ganz klar...
Das von mir geschriebene waren waren Möglichkeiten und Ideen.
Des Weiteren muss der Flughafen tätig werden, auch gerade dort wo es vorausschauend Sinn macht.

Das Thema Geld geht mir richtig auf den Sack. Wo ein Wille, da ein Weg.
Nach Deinen Vorstellungen muss anscheinend Geil einfließen ohne Investition und Tun. Das geht erst recht nicht.
Nach solchen Vorstellungen kann der CGN gleich ganz den Laden Dicht machen.

Natürlich gibt es derzeit schlechte Zeiten, jedoch Pessimismus und sagen..."ich tue nichts weil kein Geld und keine Passagiere da sind" ist ganz klar an der Zukunft vorbei.

Na, dann muss der CGN halt leider Kredite aufnehmen, das macht jedes andere Unternehmen auch in einer solchen Situation.

Das mit dem Outlet sehe ich allerdings ein, war eh nur eine Möglichkeit/Idee. Jedoch müssen auch hier ganz klar neue Ideen gefunden und umgesetzt werden.
Und ganz ehrlich...
Klamotten am CGN sind zwar ganz nett, jedoch sehe ich selbst in einer größeren Vielfalt und außergewöhnlichen ausgefallenen Anmietungen eine gewisse Lukrative Zukunft.

RhBDirk
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Re: Perspektivendiskussion 2019-2020

Beitrag von RhBDirk » Freitag, 09. Oktober 2020, 16:58:49

Eine Marktlücke - da Sonntagsöffnung möglich - sehe ich lediglich noch in einem Drogeriemarkt.

Der Flughafen kann bauen und machen und tun. Aber es wird sich jetzt keiner finden, der die dann entstehenden Flächen mietet - da er diese nicht gewinnbringend betreiben kann. Wir sehen ja die Leerstände. Das wird sich mit Sicherheit bis zum Sommer 2021 nicht ändern.

Aktuell sehe ich lediglich den REWE und einen Zeitschriftenladen als Anziehungspunkt. Die Postagentur mit ausgedehnten Öffnungszeiten könnte auch ein Anlockpunkt sein. Die hat aber schon seit Beginn an, mehr zu, als offen.

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Re: Perspektivendiskussion 2019-2020

Beitrag von rockwellcomander » Montag, 12. Oktober 2020, 12:14:41

Schon seit längerem gibt es an den Flughäfen im Handelsgeschäft deutliche Rückgänge aufgrund dem Trend zum Online-Handel. Dies betrifft in gleicher Weise den stationären Handel in den Innenstädten. Die Flughäfen, so auch der CGN, konnten dieser Entwicklung durch den Ausbau der Gastro-Aktivitäten etwas entgegenwirken. Die Corona-Krise wirkt hier jetzt allerdings wie ein Brandbeschleuniger! Ich glaube nicht, dass sich mit dem bisherigen Geschäftsmodell der Flughäfen im Bereich Non-Aviation auch nur annähernd wieder die alten Umsatzniveaus erreichen lassen. Hier sind jetzt dringend neue und kreative Konzepte gefragt! Auch wird der Flughafen darüber nachdenken müssen, selber als Betreiber von Non-Aviation-Konzepten aufzutreten. Ansonsten riskiert der CGN, das komplette Marktplätze in den Terminals auch langfristig verloren gehen könnten.

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Re: Perspektivendiskussion 2019-2020

Beitrag von alex330 » Freitag, 16. Oktober 2020, 15:15:46

Die Corona-Pandemie stellt quasi alle Gewissheiten, alle Zukunftsaussichten, alle bislang sinnvollen Handlungsoptionen in Frage. In allen Geschäftsbereichen muss sich die Führung des Flughafens neu aufstellen. In manchen Bereichen ist meines Erachtens relativ klar, was getan werden muss, in anderen ist es schwieriger, da noch gar nicht abzusehen ist, in welchem Umfeld die Flughäfen in Nach-Corona-Zeiten operieren werden. Dazu ein paar Überlegungen.

Passagiergeschäft

Der Bereich, der am schwierigsten ist. Ich sehe hier auf unserer Seite oft CGN-bezogene Kommentare wie "das wird ein ganz bitterer Winter". Dies ist zweifellos richtig, trifft aber im Pax-Bereich auf alle deutschen Flughäfen zu, mit nur geringen prozentualen Unterschieden (bezogen auf die aktuellen ADV-Zahlen). Auch weltweit trifft es sehr viele Airports. Deshalb ist die Frage wichtig, was CGN-spezifisch ist und was CGN-spezifisch getan werden müsste.
Bei dieser Frage fällt auf, dass CGN zum einen seit vielen Jahren Schwierigkeiten hat, Anbieter dauerhaft an den Standort zu binden. Dies ist schon vor Corona schwierig gewesen, konnte man doch im Bezug auf Marktmacht und finanziellen Spielraum nicht mit DUS mithalten, die zudem noch den Vorteil (ja, in diesem Fall tatsächlcih einen Vorteil) haben bzw. hatten, slotreguliert zu sein. Bei einer Parallelbedienung haben Airlines im Zweifelsfall fast immer zuerst die CGN-Strecke gekappt, denn dort verliert man keine Streckenrechte. Nun wage ich zu behaupten, dass es einige Jahre dauern wird, bis die Slots in DUS wieder so knapp geworden sind wie vorher. Dies könnte einen bislang wichtigen Nachteil des Kölner Flughafens zumindest abmildern. Auch hat DUS in den letzten Monaten deutlich auf finanzielle Probleme hingewiesen, so dass das "Einkaufen" von Airlines auch dort schwierig sein dürfte und ein weiterer Vorteil etwas dahinschmilzt. Düsseldorfs Ruf als großer, wichtiger Flughafen und die Marktmacht über Masse wird dies aber nicht beeinträchtigen.
Aus meiner Sicht kaum zu beantworten ist, welche Airlines denn Corona überhaupt überleben oder danach noch so groß sein werden, dass ein nur knapp mittelgroßer Flughafen wie Köln von Interesse ist. Ich denke, dass es die LH-Gruppe irgendwie schaffen wird, ebenso Ryanair und Wizzair. Diese Airlines werden weiterhin mit Angeboten in Köln vertreten sein, wenn die Pandemie im Laufe der nächsten zwei Jahre in den Griff zu bekommen ist und man im kommenden Jahre differenziertere Wege der Reiseeinschränkungen als bisher. Wenn nicht, dürfte es ohnehin kaum noch eine Airline geben, die Überlebenschancen hat, dann sind alle jetzigen Überlegungen ohnehin Makulatur.
All dies darf aber nicht heißen, dass der Flughafen sich nicht um Airlines bemüht oder sie von vorneherein abschreckt. Es gab in der letzten Zeit Aussagen von Vanneste, die darauf hindeuteten, dass man in diesem Bemühen nachlassen wolle, weil man die Mittel für Streckenförderungen nicht mehr habe oder nicht mehr wie andere Flughhäfen ausgeben wolle. Dies so öffentlich kundzutun ist m.E. eine Bankrotterklärung! Kaum ein Flughafen in Deutschland wird nach Corona über die Mittel verfügen, Airlines mit satten Unterstützungen anzuwerben. Dies aber von vorneherein auszuschließen ist eine klare Ansage für "Lasst uns in Ruhe, wir wollen nur noch Frachtairport sein!"
Da Vanneste in diesem Zusammenhang auch den Aufsichtsrat und Friedrich Merz ins Spiel gebracht hat und es diesbezüglich auch schon vorher viele Hinweise gab, dürfte klar sein, dass Vanneste nicht derjenige ist, der entscheidet. Und Merz hat eigene Interesse, die nicht die Interessen des Flughafens sein können. Lasst es mich klar sagen: Friedrich Merz ist aus meiner Sicht eine absolute Fehlbesetzung auf dem Posten des AR-Vorsitzes! Er handelt nicht im Sinne des Flughafens!
Was könnte man trotzdem tun? Köln-Bonn könnte z.B. eine Initiative starten für einheitliche Rahmenbedingungen bei Anwerbungen von Airlines in Deutschland. Zudem sollte der Flughafen mit den großen Airlines, die schon vor Ort sind, immer weiter Gespräche führen und Zielvorstellungen vereinbaren. Dann sollte er nach Nischen suchen. Welche Reisen gehen zur Zeit trotz Corona noch? Ab Stuttgart wird bald nach Beirut geflogen, warum nciht ab CGN? Welche Airlines stehen zur Zeit noch recht gut da? Und welche waren in CGN und könnten wiederkommen? Bietet z.B. die Situation eine Chance, British Airways auf der Heathrow-Strecke ganzjährig zurückzubekommen?
Corona bricht ganz viele Strukturen auf. Wenn man hier die Ohren am Puls der Zeit hat und schnell ist, wenn die Restriktionen gelockert werden, hat man einen Startvorteil wie damals, das Garvens die LCCs nach Köln geholt hat.
Also, liebe CGN-Führung: Chancen suchen, wahrnehmen, nutzen!

Cargo

Im Frachtsektor steht der Kölner Flughafen zur Zeit ziemlich gut da, nicht nur vom Gesamtverkehr, sondern auch mit deutlichen Zuwachsraten, während deutschlandweit die Frachttonnage sinkt. Es fällt aber auf, dass sich das Wachstum im Wesentlichen auf wenige Expressfrachtanbieter beschränkt. Hier dürfte in der Tagesfracht durchaus noch Wachstumspotenzial bestehen. Aber auch hier muss man Chancen nutzen. Cargolux war nur sehr kurz vor Ort. Dem Vernehmen nach war man unzufrieden mit dem Service des Kölner Flughafens. Ich kann den Wahrheitsgehalt dieser "Unter-der-Hand-Aussage" nicht überprüfen, es gab aber auch kein Dementi. Also: 1. Service nachbessern! 2. Anwerben: Man schaue sich nur mal auf den im Bereich Cargo größeren Flughäfen im Umfeld um. Es gibt viele interessante Anbieter.
Das ist aber nicht die Hauptaufgabe im Frachtbereich. Die Hauptaufgabe hat @rockwellcommander einige Beiträge vor mir benannt: Die Verlängerung der Nachtfluggenehmigung für Fracht. Die Unternehmen brauchen Planungssicherheit. Wenn diese nicht kommt, werden UPS und Co schon deutlich vor 2030 abwandern!
Die politischen Rahmenbedingungen verändern sich derzeit dramatisch in Richtung Klimaschutz. Die Grünen im Kölner Stadtrat werden ein Wörtchen mitreden wollen, was die zukünftige Ausrichtung des Flughafens angeht. Ich bin übrigens schon der Meinung, dass auch der Luftverkehr seinen Beitrag zum Klimaschutz leisten muss. Aber da gibt es verschiedene Ansätze, und der Flughafen sollte sich nicht in eine Ecke drängen lassen. Die Verlängerung wird es sicherlich nicht ohne Kompromisse geben, und der Airport sollte sich fragen, ob man nicht auf den nächtlichen Pasagierflug verzichten kann. Mit einer großzügigen Regelung für am Flughafen stationierte Airlines sollte dies aus meiner Sicht gehen. Der Ethno-Verkehr, der bei uns in den Sommernächten für Andrang sorgt, fliegt in Stuttgart tagsüber, ebenso wie die Charterflieger, die in Köln um 4 Uhr starten und erst um 23 Uhr zurückkehren. Gerade jetzt besteht aus meiner Sicht die Chance, Strukturen aufzubrechen und umzubiegen und dann mit einem blauen Auge davon zu kommen. Darüber hinaus würde ich an der Stelles des Flughafens auch mit den Frachtanbietern verhandeln. Ich denke, alle vor Ort tätigen Anbieter sollten in der Lage sein, bis 2030 auf nächtliche Abflüge der MD-11 zu verzichten.
Ergo: Es entshet der Eindruck,d ass der FLughafen hier zu wenig tun. Auch hier weiß ich nicht, was im Hintergrund und in "stiller Diplomatie" geschieht, es entsteht aber der Eindruck, dass der Flughafen hier zu sehr abwartet - und dieser Eindruck wird, wie mir zu Ohren gekommen ist, von Brancheninsidern durchaus geteilt. Es gibt genügend Verhandlungsbasis, um den derzeit wichtigsten Pfeiler des Geschäfts in Köln zu halten. Man muss aber etwas dafür tun und Kompromisse eingehen!

Non-Aviation

Klare Fehler begeht das Management des Flughafens hier aus meiner Sicht. Ion einer Zeit wie dieser darf man nicht noch die Mieten erhöhen und langjährig treue Kunden vergrätzen. Sicherlich fehlen mir hier Hintergrundinfos, doch spätestens, als das Ganze öffentlich wurde, hat man dem Flughafen einen deutlichen Schaden zugefügt.
Hier in unserem Forum sind viele Ideen genannt worden. EInige davon haben vielleicht wenig Chancen auf Umsetzung und andere mehr, aber es dürfte klar sein: Auch hier muss der Flughafen etwas tun un neue wege beschreiten. Wenn das Non-Aviation-Geschäft sehr uninteressant wird, wird dies in Zukunft auch Passagiere davon abhalten, ab Köln-Bonn zu fliegen. Ein Duty-Free-Shop gehört in der heutigen Zeit an jeden Flughafen, der auch nur ein bisschen etwas auf sich hält, ebenso eine Lounge für Vielflieger oder die etwas betuchteren Gäste.
Ich fand auch die Idee, die Mezzanin-Ebene im T2 mit den Reisebüros in eine allgemeine Shopping-Meile mit einzelnen Reisebüros umzuwandeln ganz interessant, hier sehe ich mit einem guten Konzept ein deutliches Aufwertungspotenzial.
So oder so gilt: Wenn der Flughafen bewusst auf das Passgiergeschäft verzichtet, kann dies für den Non-Aviation-Bereich nur negativ sein.

Fazit

Johan Vanneste führt den Flughafen sehr leise und ruhig. Sein Stil ist deutlich anders als der seines Vorgängers Michael Garvens, der sich sicherlich manchmal etwas zu weit aus dem Fenster gelehnt hat. Es mag kein grundsätzlicher Fehler Vannestes sein, doch wenn die öffentlichen Aussagen, die gemacht werden, eher negative Dinge sind und über Ambitionen gar nicht mehr gesprochen wird, wird der Flughafen uninteressant, auch für die Airlines. Wenn man nur ganz stille Diplomatie betreibt, fehlt einem am Ende Unterstützung von wichtigen Seiten.
Man hat in Köln-Bonn das alte Management Hals über Kopf geschasst und aus meiner Sicht einen Fall konstruiert, der zumindest in Teilen deutlich über das Ziel hinausgeschossen ist. Man hat sehr schnell auf sehr viel Erfahrung im Luftfahrtgeschäft verzichtet. Dann man man die Rolle des Aufsichtsrats gestärkt und jemand an die Spitze gesetzt, der nur auf das Geld schaut, aber keine Ahnung vom Geschäft hat. Vanneste erscheint mir oft wie ferngesteuert, und ich sehe leider keine Erfolge, die es rechtfertigen seinen Vertrag um fünf Jahre zu verlängern, auch wenn er natürlich für die dirketen Corona-Folgen keinesfalls verantwortlich ist. Ich hoffe, dass Vanneste sich etwas von AR emanzipieren kann und den Flughafen tatsächlich führt und tragfähige Konzepte für die Zukunft entwirft. Zur Zeit fehlen mir ganz klar die Ambitionen. Und das hat mit Corona nichts zu tun, denn das war schon vorher so.

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Re: Perspektivendiskussion 2019-2020

Beitrag von stekar87 » Freitag, 16. Oktober 2020, 15:57:20

TOP Analyse, vielen Dank Alex!

Bei ganz vielen Punkten stimme ich zu. Die aktuelle Situation zeigt, dass viele Pax-Airlines sehr zaghaft unterwegs sind. Man kann es aber dennoch glaube ich als gutes Zeichen sehen, dass bis auf weiteres alle wesentlichen Partner (bis auf easyJet) an Bord bleiben, wenn auch mit massiv reduziertem Programm. Das ist, wie du schon richtig gesagt hast, aber nicht die Schuld des CGN-Managements und trifft auf alle Flughäfen zu.

Wizz Air halte ich nach wie vor für einen hoch interessanten Partner. Die haben gerade in der Krise massiv neue Basen aufgebaut, sogar in DTM. Wieso nicht mal groß denken und so etwas ins Auge fassen? Man muss alles mitnehmen, was man bekommen kann, auch wenn es gerade schwierig ist.

Etwas anderer Auffassung bin ich beim Thema Nachtflug. Und ich denke, hier ist auch dringend eine Unterscheidung nötig zwischen 2 Dingen:
a) Umweltschutz
b) Lärmschutz

Für den Umweltschutz tut der Flughafen schon enorm viel, auch wenn es nicht immer so durch die Öffentlichkeit geht. Allen voran dadurch, dass dicke und laute Maschinen wesentlich mehr zahlen. Das ist auch m.E. das effektivste Mittel, das ein Flughafen anwenden kann. Landeverbote, so die denn überhaupt durchsetzbar wären, halte ich für nicht zielführend.

Ganz davon abgesehen, finde ich es nicht fair, den schwarzen Peter immer den Airlines und Flughäfen zuzuschieben. Auf lange Sicht kann Verzicht auf fliegen nicht der richtige Weg sein. Viel mehr fordere ich sauberere Kraftstoffe oder alternative Antriebe. Das halte ich für wesentlich sinnvoller, als die Branche immer weiter in die Knie zu treiben, jetzt noch befeuert durch eine Krise, für die niemand etwas kann.

Der Versuch, Abflüge im Paxbereich in die Tageszeiten zu bekommen, hat aber damit nichts zu tun. Hier geht es um reinen Lärmschutz, denn der Umwelt ist es egal, wann ein Flugzeug fliegt. Und hier sehe ich den Paxbereich erstmal nicht als kritisch an. Wenn ich manchmal abends vor dem schlafen gehen bei offenem Fenster die ganzen Flugzeuge höre und dann in flighradar nachschaue, was mir da gerade so über den Kopf fliegt, sind das auch in normalen Zeiten zum absoluten Großteil Frachtmaschinen. Kein Mensch hätte einen besseren Schlaf, wenn der Paxbereich weg brechen würde. Darüber hinaus sehe ich diesbezüglich sehr wohl eine Gefahr der Abwanderung, gerade wenn ich an die zahlreichen Ethno-Airlines oder auch eine Corendon denke. Der Flughafen hat mit der uneingeschränkten Nachtflugerlaubnis einen erheblichen Wettbewerbsvorteil. Die Airlines wollen ihre Maschinen so gut es geht "beschäftigen", und insbesondere in Deutschland gibt es nur noch eine Handvoll Airports, die das in dieser Form überhaupt bieten können. Wenn das auf einmal nicht mehr geht, bin ich überzeugt davon, dass der eine oder andere Anbieter schon überlegt, ob das so noch Sinn macht oder, wenn man ohnehin nur noch tagsüber fliegen kann, gleich nach DUS, FRA oder ins Nachbarland geht. Slots sind da auf absehbare Zeit mehr als genug vorhanden.

Eines muss bei beiden Themen (Umwelt, Lärmschutz) klar sein: Airlines oder Verkehre aus CGN weg zu treiben, hilft nicht weiter. Die Airlines werden das an anderer Stelle wieder aufbauen. Ergo macht das keinen Sinn, man sollte versuchen so viel wie möglich in CGN zu halten.

Deinem Fazit kann ich mich nur anschließen. Es müssen intelligente Wege gefunden werden und Nischen besetzt werden. Ohnehin wird es sehr wahrscheinlich Jahre dauern, wieder das vorherige Niveau zu erreichen.
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Re: Perspektivendiskussion 2019-2020

Beitrag von RudiFHW » Freitag, 16. Oktober 2020, 17:39:21

Herr Vanneste ist aufgrund seiner Biographie eindeutig ein Kenner und Befürworter des Cargogeschäftes und tut deshalb das, was er kann und liebt: das Frachtgeschäft fördern. Außerdem hat auch der AR m.E. kein besonderes Verhältnis zum Personenflugverkehr und drängt deshalb Herrn Vanneste auch nicht zu mehr Aktivitäten in Bezug auf Anwerbung neuer Anbieter im Linienverkehr bzw. Stärkung und Ausbau der bestehenden Verbindungen. Und da wir außer REWE keinen bedeutenden Anbieter von Flugreisen in Köln und Bonn haben, gibt es auch keine Initialzündungen bei den Touristikflügen ab/bis CGN.

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Re: Perspektivendiskussion 2019-2020

Beitrag von TerminalTower » Donnerstag, 22. Oktober 2020, 19:12:45

In dieser schwierigen Zeit baut Blue Air ihr Angebot dankenswerter Weise mit Cluj aus.

Eine Perspektive könnte sein, sich mit Blue Air zu verständigen, dass der CGN nicht nur ein PTP Flughafen ist sondern ein Via (evtl. als sogar als Basis-Drehkreuz Westeuropa).

Blue Air bedient in Rumänien viele Flughäfen sowie in Großbritannien auch London Luton (LTN), Birmingham (BHX), Liverpool (LPL) und Glasgow (GLA).
Also alles Flughäfen, die vom CGN aus nicht angeflogen werden.
Ein Zwischenstopp zwischen Rumänien und Großbritannien am CGN könnte für Blue Air und den CGN eine Win-Win Situation bedeuten.
Die britischen Flughäfen werden eh bedient, somit keine Mehrkosten für Blue Air und eine Auffüllung der Maschine durch Ein- und Aussteiger in CGN.

Gleiches gilt auch für Amsterdam.

Vorausgesetzt der CGN verlangt unmögliches.

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Re: Perspektivendiskussion 2019-2020

Beitrag von alex330 » Sonntag, 25. Oktober 2020, 21:30:36

stekar87 hat geschrieben:
Freitag, 16. Oktober 2020, 15:57:20
Etwas anderer Auffassung bin ich beim Thema Nachtflug. Und ich denke, hier ist auch dringend eine Unterscheidung nötig zwischen 2 Dingen:
a) Umweltschutz
b) Lärmschutz

Für den Umweltschutz tut der Flughafen schon enorm viel, auch wenn es nicht immer so durch die Öffentlichkeit geht. Allen voran dadurch, dass dicke und laute Maschinen wesentlich mehr zahlen. Das ist auch m.E. das effektivste Mittel, das ein Flughafen anwenden kann. Landeverbote, so die denn überhaupt durchsetzbar wären, halte ich für nicht zielführend.
Du hast völlig Recht, was die Unterscheidung von Umweltschutz und Lärmschutz angeht, wobei man Lärmschutz auch als eine Art des Umweltschutzes bezeichnen kann. Trotzdem ist die Unterscheidung wichtig.
Kein Mensch hätte einen besseren Schlaf, wenn der Paxbereich weg brechen würde. Darüber hinaus sehe ich diesbezüglich sehr wohl eine Gefahr der Abwanderung, gerade wenn ich an die zahlreichen Ethno-Airlines oder auch eine Corendon denke. Der Flughafen hat mit der uneingeschränkten Nachtflugerlaubnis einen erheblichen Wettbewerbsvorteil.
Auch hier stimme ich Dir zu, was die Sachargumente angeht. Mein Punkt war aber ein anderer:
Es geht leider gar nicht darum, was für den Flughafen sinnvoll ist - so meine Erfahrung aus den letzten Jahrzehnten und meine Einschätzung der aktuellen und vermutlich zukünftigen politischen Lage. Es geht auch leider nicht darum, was denn genau den Lärm verursacht, und wie dieser Lärm eigentlich einzuschätzen ist. Es geht also nicht um Sachargumente - was wirklich tragisch und letztendlich dumm ist. Es geht um Politik und um die Kunst des Kompromisses, aber auch darum, wer am lautesten schreien kann und wer die lauteste Lobby hat.
Ich gehe davon aus, dass der Flughafen nicht umhin kommen wird, einen Kompromiss einzugehen, wenn man die Nachtfluggenehmigung verlängert haben will. Dieser Kompromiss wird sich sehr wahrscheinlich irgendwo im Bereich des Nachtflugs finden müssen. Und dort gibt es nicht so viele Variablen. Es gibt da allgemein die Verkehrszeiten, die Anzahl der Cargo-Flüge, die Lärmintensität der Cargo-Flüge (regelbar z.B. über den Ausschluss bestimmter Flugzeugtypen, erhöhte Lärmabgaben oder ein Lärmkontingent) und eben die Anzahl der Passagiernachtflüge. Die Lärmintensität spielt bei den Passagierfliegern z.Z. eine untergeordnete Rolle, weil im Wesentlichen lärmähnliche Maschinen der A32x und B737-Familien eingesetzt werden, die ohnehin schon leiser sind als die Cargo-Flugzeuge, und sich deren Lärm durch den Austausch der A320ceo durch -neo und die zu erwartende Rückkehr der 737Max diese nochmal senken wird.

Was die Lärmintensität und die Passagierflüge angeht, da habe ich noch eine Erfahrunsgbericht, den ich in den nächsten Tagen mal fertig machen werde. Das Fazit kann ich schonmal vorwegnehmen: Ich finde, man hört sie kaum, auch wenn man recht nah am Flughafen wohnt. Trotzdem wird der Passagiernachtflug eine Rolle in den kommenden Nachtflug-Verhandlungen spielen. Da der Flughafen bislang aus meiner Sicht viel, viel zu wenig tut, um die Seite der Sachargumente zu beleuchten, wird man Kompromisse eingehen müssen, die nicht viel mit Sachargumenten zu tun haben.
Aber vielleicht tut sich ja da noch etwas...

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