Der Köln Bonn Airport
27.08.10
Der Flughafen Köln Bonn (CGN/EDDK) und seine Entwicklung sind die Schwerpunktthemen dieser Internetseite.
Die offizielle Flughafenhomepage erreichen Sie unter www.cgn.de. Dort finden Sie z.B. die aktuellen Ankünfte und Abflüge oder Hinweise zum Parken und Einkaufen am Flughafen.
Hier finden Sie einen zeitlichen Ablauf der Geschichte des Flughafens Köln/Bonn:
http://satgeo.zum.de/satgeo/beispiele/lessing/flugh/Zeitleiste.htm
Die Geschichte des Köln Bonn Airport ist natürlich noch um vieles reicher, als es nur die Daten und Fakten wiedergeben.
Die Anfangszeit
Nachdem bereits 1938 in der Wahner Heide ein Fliegerhorst angelegt wurde, vergrößerten die Besatzungsmächte den Platz nach dem zweiten Weltkrieg. 1950 bekamen die Städte Köln und Bonn die Lizenz zur Nutzung der Einrichtungen des “Flughafens Wahn”, zunächst für ein Jahr.
Von 1952 bis 1957 wurde der zivile Luftverkehr am Platz stark eingeschränkt, während sich alle anderen deutschen Flughäfen systematisch in die wiederentstehende Luftverkehrslandschaft einordnen konnten. Während vor dem Krieg der Flugplatz am Kölner “Butzweilerhof” einer der größten Deutschlands war, hatte Köln/Bonn Jahrzehnte unter dieser Benachteiligung zu leiden, denn die Fluggesellschaften suchten sich aufgrund der Einschränkungen in Köln Alternativen, weshalb die Flughäfen in Frankfurt und Düsseldorf schnell größer waren als in Köln. Erst ab 1957 konnte sich der Flughafen ungehindert entwickeln.
1959 begann der Flughafenausbau, vor allem wurde die neue, 3.800 m lange Start- und Landebahn gebaut, die 1961 in Betrieb ging.
Bereits 1960 flog Swissair mit DC-8 nach New York.
Die 60er/70er – Der heutige Flughafen entsteht
Ab 1961 flog die Lufthansa Langstrecken ab Köln/Bonn, vor allem nach New York. Es wurden zweitweilig aber auch Mexico City, Montréal, SanFrancisco und Philadelphia angeflogen. Eingesetzt wurden vor allem Boeing 707 und später DC-10, teilweise auch Boeing 747. Diese Langstrecken hielten sich bis 1979, dann wurde der letzte regelmäßige Flug, die tägliche DC-10 mit der Flugnummer LH408 nach New York JKF nach Düsseldorf verlagert. Weitere Details zu den NRW-Langstrecken seit 1960 finden sich hier (MUCforum) .
1965 wurde der Grundstein für das neue Terminal mit den markanten zwei Abfertigungs-”Sternen” - das heutige Terminal 1 - gelegt, welches am 20. März 1970 eröffnet wurde. Der Flughafen wurde funktionell und architektonisch als Meisterleistung gefeiert. Das Design mit drei Schenkeln eines Fünfecks als Hauptgebäude und den sechseckigen Flugsteigköpfen vermied konsequent das gewöhnliche rechteckige Layout. Das “Drive-in”-Konzept mit kurzen Wegen vom Auto bis zum Flugzeug war für seine Zeit wegweisend.
1978 überschritt die Passagierzahl erstmals die 2-Millionen-Marke.
1983 sahen über 300.000 Zuschauer das “Space-Shuttle”, welches in Köln/Bonn ausgestellt wurde. Köln/Bonn wurde aufgrund seiner Lage und der Landebahnlänge offizieller Ausweichflughafen für Space-Shuttle-Missionen.
Die 80er – Luftfracht und Exoten

CGN - Exoten Anfang der 90er Jahre
1986 richtete UPS sein Europadrehkreuz in Köln ein, welches bis zum heutigen Tage stetig gewachsen ist. Die Passagierzahlen entwickelten sich jedoch nicht zufriedenstellend. Die wenigen Langstrecken wurden mit der Zeit nach Düsseldorf verlegt. Zu jener Zeit konnte es passieren, dass man bei einem Flughafenbesuch mehrere Stunden lang keine einzige Flugbewegung sah und manchmal gerade mal ein einziges Flugzeug auf dem Vorfeld stand.
Sonntags war es oft war die damals regelmäßig Köln besuchende IL-62 der Cubana.
Erst gegen Ende der 80er/Anfang der 90er änderte sich dies. Zu der Zeit begannen allerlei exotische Airlines, nach Köln zu fliegen, wenn auch oft nur für kurze Zeit. Es flogen u. a. Taesa nach Mexico und in die Dominikanische Republik (mit DC10, 757, 767), Aerocancun nach Cancun (A310), BWIA nach Bridgetown, Barbados (Tristar), World Airways nach Los Angeles (DC10/MD11)sowie American Trans Air und Tower Air nach New York (Tristar bzw. B747).
Die 90er – “Drehkreuz West” und Charter-Boom
Ein Highlight war neben dem immer stärker werdenden Cargo-Aufschwung (begonnen hatte dieser u. a. mit ElAl Cargo, TNT und SAS Cargo) der Anfang des Lufthnsa “Drehkreuz West” Anfang 1990 mit deutschen und eurpäischen Umsteigeverbindungen morgens und abends sowie dem A310-Kurs nach New York und Washington. Leider wurden die Planungen zu diesem Drehkreuz jedoch nie voll in die Tat umgesetzt. Zwar gab es die besagten Umsteigeknoten mit diversen F50 und einzelnen 737, doch die deutsche Wiedervereinigung (nach der die Lufthansa die Maschinen zunächst für Berlin benötigte), der Golfkrieg und dann die Eröffnung des neuen Münchener Flughafens sorgten für das Ende des Drehkreuzes.
Kurze Zeit später begann in CGN der Charter-Boom. Im Laufe der Zeit übernahm Condor die Langstreckenziele der “Exoten” ab Köln und richtete ein Drehkreuz ein. Zeitweilig standen Montags und Dienstags bis zu 10 Condor-Maschinen in CGN, vor allem B767, einzelne DC10 und B757. Ziele waren die u. a. Dominikanische Republik, Mexico, aber auch Kenia oder Las Vegas. In den Charter-Boom gesellten sich auch die Air Berlin, die kurzlebige Transaer Cologne (mit Kölsch an Bord) und FTI mit eigener Airline sowie der deutsche Ableger der Britannia mit 767 .
Die Jahrtausendwende – Start der Low-Cost-Airlines
Man ging nun in Richtung 2000 und der Eröffnung des neuen Terminals (Terminal 2) und übertraf die 6 Mio-Passagiere-Marke. Alles deutete darauf hin, dass die Zukunft in CGN gut aussah. Doch es kam erstmal anders. Charterairlines gingen Pleite, Condor zog ihr Drehkreuz ab, der 11. September 2001 kam. Im Zuge der folgenden Rezession zogen sich weitere Airlines aus Köln zurück und die Passagierzahlen sanken bis 2002 drastisch auf nur noch 5,4 Mio und das nagelneue Terminal, vom weltberühmten Architekt Helmut Jahn geplant, stand kurz nach der Eröffnung fast leer.
Der neue Airport-Chef Michael Garvens sah die Notwendigkeit zum Handeln und handelte: Er zog die Billigflieger an Bord – zuerst (was schon fast vergessen ist!) Virgin Express, die zwei Flieger stationieren wollte. Als dann aber germanwings und HLX deutlich größeres Engagement ankündigten, zog sich VEX noch vor Aufnahme des Flugbetriebes ab CGN wieder zurück.
Nach dem Markteintritt von germanwings und HLX zogen die Passagierzahlen steil an. Innerhalb von nur fünf Jahren verdoppelte sich das Verkehrsaufkommen nahezu, von 5,4 Millionen 2002 auf 10,4 Millionen 2007. Aus anfänglich 6 germanwings- bzw. 4 HLX-Maschinen wurden 16 bzw. 9 Flugzeuge, wobei HLX sich mit der Hapag Lloyd-Fluggesellschaft zur TUIfly zusammenschloss. Mit dem Aufschwung im Passagierbereich kam der weitere Ausbau des Flughafens, der sich immer stärker zur attraktiven Shoppingmeile entwickelte. Das Kozept der kurzen Wegen litt allerdings unter dem Ausbau, und Anbauten wie der “Starwalk” zwischen den Abfertigungs-”Sternen” des Terminal 1 erhöhten den Fluggstkomfort deutlich, veränderten aber auch das Aussehen das markanten Gebäudes für immer.
Hoffnungen darauf, dass auch die “Classic”-Airlines wieder deutlich verstärkt ab CGN fliegen würden, erfüllten sich aber nicht. Im Gegenteil: Lufthansa reduzierte die Köln-Flüge mit Markteintritt der Tochter germanwings drastisch. Auch weitere Linienairlines wie British Airways stellten nach und nach den Betrieb ein. Köln Bonn verfügte nun zwar über ein gut ausgebautes Netz an europäischen Direktflügen, die Anbindung an die großen Drehkreuze der Netzwerkcarrier fehlen jedoch. Auch die im Mai 2005 aufgenommene New York-Verbindung von Continental Airlines war nicht erfolgreich und wurde im September 2008 wieder eingestellt.
Dem Höhenflug folgten seit 2008 Krisenjahre mit einem Rückgang der Passagierzahlen auf unter 10 Millionen. Auch die Luftfrachtzahlen brachen krisenbedingt ein, zogen 2010 aber wieder an. Vor allem schmerzte Köln/Bonn aber der Weggang der DHL nach Leipzig, der CGN seinen jahrelang gehaltenen Platz 2 unter den deutschen Luftfrachtairports streitig macht.
Aktuelle Entwicklungen
Auf dem Gebiet Luftfracht gab es aber kürzlich auch wieder einen großen Erfolg: FedEx, weltgrößter Logistikdienstleister, verlegte Mitte 2010 seine Frankfurt-Aktivitäten nach Köln und plant den Ausbau der Köln-Bonner Operationen zu einem Drehkreuz für Osteuropa .
Die Aussichten für 2011 und 2012 sind derzeit durchwachsen. In der Luftfracht könnte der Neuzugang FedEx dafür sorgen, dass der Köln Bonn Airport seinen Platz zwei zurück erobern kann. Im Passagierverkehr wird 2011 ein schlechtes Jahr werden, für 2012 wird seitens des Airports ein “spürbarer” Turnaround erwartet. Das Kölner Passagierwachstum stellt sich jedoch verhalten dar, so dass es schwierig werden könnte, dieses Ziel zu erreichen.
Derzeit leidet der Flughafen besonders unter dem starken Verdrängungswettbewerb zwischen Air Berlin und Lufthansa in Düsseldorf. Air Berlin, welche 2009 den Großteil der TUIfly-Aktivitäten übernommen hat, hat immer mehr ehemalige TUI-Strecken ab Köln gestrichen und zum Drehkreuz Düsseldorf verlegt, trotz einer groß angelegten Werbekampagne. Bei den Air-Berlin-Strecken steht 2011 ein Minus von sage und schreibe 25% zu Buche. Die stärkste Airline am Kölner Flughafen, germanwings, hat die eigenen Wachstumspläne offenbar unter Druck der Konzernmutter Lufthansa gedämpft.
Positiv festzuhalten ist besonders die Wiederaufnahme der Strecke nach Paris-CDG durch Air France, welche seit Anfang 2011 3x täglich beflogen wird. Immer wieder kommen Spekulationen über ein größeres Engagement weiterer Billigflieger am Kölner Flughafen auf, besonders Ryanair ist im Gespräch. Greifbare Ergebnisse liegen aber bis heute nicht vor.
Starken Gegenwind erfährt der Flughafen auch gesellschaftlich-politisch: Kaum ein anderer deutscher Flughafen – Leipzig ausgenommen – weist so viele nächtliche Flüge auf wie Köln-Bonn. Die meisten dieser Flüge gehen auf das Konto der Logistikkonzerne, vor allem UPS. Diese sind für ihre schnellen Transportdienste darauf angewiesen, dass Pakete und Post nachts umgeschlagen und sofort weiterversendet wird. Den Anwohnern ist soviel nächtlicher Fluglärm natürlich ein Dorn im Auge.
Aktuell plant die nordrheinwestfälische Landesregierung ein Verbot nächtlicher Passagierflüge, um somit einem Teil des nächtlichen Lärms zu verringern, und die neu eingeführte Luftverkehrsabgabe bedroht vor allem die grenznahen Flugverkehre.
Und so sind die Zukunftsaussichten des Kölner Flughafens Mitte 2011 recht “durchwachsen”. Die Passagierzahlen sinken, weil sich die Airlines wie Air Berlin entweder zurückziehen oder wie germanwings u. U. von Vorgaben der Konzernmutter Lufthansa abhängig sind. Zudem fehlt es in Köln an unabhängigen Alternativen, sowohl im Bereich der Billigflieger als auch im Bereich der Netzwerkairlines. Erfreulich entwickelte sich 2010 hingegen der Charterverkehr, wobei es auch hier noch einige weiße Flecken auf der Köln-Bonner Destinationslandkarte gibt und die Aussichten für 2011 wieder Reduzierungen ankündigten. Am Flughafen selbst gibt man sich vorsichtig optimistisch und plant den weiteren Ausbau, u.a. eine direkte Verbindung der Sicherheitsbereiche der beiden Terminals.
Der Frachtbereich wächst wieder deutlich, aufgrund des starken Engagements der beiden “Platzhirsche” UPS und FedEx. Im Bereich der Tagesfracht will der Airport sich deutlich verbessern und konnte in der jüngsten Zeit einige Erfolge erzielen..
Was die politische Situation des Kölner Flughafens angeht, so stehen wichtige Weichenstellungen an. Hier vermisst man in der Politik oftmals die nötige Weitsicht und den Willen zur Unterstützung des Flughafens.
Was auch immer geschehen wird, die Zukunft des Köln/Bonner Flughafens bleibt spannend!
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Alex für die CGNCommunity
PS: Zur Geschichte CGNs empfehle ich auch das Buch “80 Jahre zivile Luftfahrt in Köln”. Es ist am Airport oder in Kölner Buchhandlungen erhältlich und beinhaltet einfache Texte und viele Bilder, die teilweise vorher nur selten oder nie zu sehen waren.



